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Interview mit Frau Ingrid Mollnar / Geburtshelferin

Vorsorge beginnt vor der Geburt:

Hebammen geben Eltern „Zahnrat“

 

Die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege (LAGZ) Rheinland-Pfalz will der Karies bei Kindern so früh wie möglich vorbeugen. Dafür baut sie ihr Netzwerk kontinuierlich aus. Seit einem Jahr sind die Hebammen Partner der LAGZ; unter anderem werden angehende Geburtshelferinnen in ihrer Ausbildung in Zahnvorsorge geschult. Ingrid Mollnar, Vorsitzende des Hebammenlandesverband Rheinland-Pfalz, zieht eine Zwischenbilanz.

 

Frau Mollnar, warum bietet sich gerade die Schwangerschaft an, um das Gesundheitsbewusstsein der Eltern in spe zu fördern?

Während der Schwangerschaft sind junge Eltern besonders aufgeschlossen, wenn es um die Gesundheit ihres Kindes geht. Der Zusammenhang zwischen einer guten Ernährung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen schon in der frühen Schwangerschaft und einer gesunden Zahnentwicklung des Ungeborenen ist für die Schwangere gut nachvollziehbar. Die Tipps zu Ernährung und eigener Mundhygiene sind zudem einfach und leicht umsetzbar. Die werdende Mutter kann hier mit wenig Aufwand sehr viel für die Gesundheit ihres Kindes tun.

 

Wie sieht die präventive Betreuung von Schwangeren in Fragen der Mundgesundheit durch Hebammen konkret aus?

Neben der Ernährungsberatung besprechen wir praktische Möglichkeiten zur Verbesserung der Mundhygiene, wie zum Beispiel den regelmäßigen Einsatz von Zahnseide und fluoridhaltiger Zahnpasta. Zudem legen wir den Schwangeren regelmäßige zahnärztliche Kontrollbesuche ans Herz.

 

Welche praktischen Tipps erhalten die Schwangeren bei Beschwerden wie dem frühen Schwangerschaftserbrechen oder Zahnfleischbluten?

Kommt es hormonbedingt in der Frühschwangerschaft zu Erbrechen, raten wir den Schwangeren den Mund zunächst nur mit Wasser auszuspülen und rund eine halbe Stunde zu warten, bis sie zur Zahnbürste greifen. Gerade beim Zahnfleischbluten ist eine gute Zahnpflege, eventuell mit einer etwas weicheren Bürste, wichtig. Entzündungshemmende Mundspülungen lassen das durch Schwangerschaftshormone aufgelockerte Gewebe abschwellen und heilen. Auch in diesen Fällen empfehlen wir einen Zahnarztbesuch.

 

Welche Anliegen oder Fragen liegen werdenden bzw. jungen Müttern besonders am Herzen?

Nach der Geburt drehen sich die Fragen ums Stillen, um die Verwendung von Beruhigungssaugern und oft auch um die zusätzliche Gabe von Tee. Hier klären wir auf, dass beim vollen Stillen keine zusätzlichen Flüssigkeitsgaben nötig sind. Gerade industriell gefertigte Babytees enthalten Karies fördernde Zuckerarten – auch wenn „zuckerfrei“ auf der Packung steht. Kommt die Zeit der Beikost, ist die Hebamme Ansprechpartnerin Nummer eins. Wir geben praktische Tipps zur Zubereitung von Babynahrung und weisen die Eltern auf manche irreführende Werbung für so genannte Kindernahrungsmittel hin. Wir geben immer wieder Hinweise zur Zahnpflege des Babys und motivieren zum Besuch beim Zahnarzt ab dem ersten Zahn.

 

In den rheinland-pfälzischen Hebammenschulen steht das Fach „Zahngesundheit“ seit einem Jahr auf dem Stundenplan. Wie ist die Resonanz auf die Unterrichtseinheit aus?

Prima! Die unterschiedlichen Aspekte der Zahnvorsorge sind wissenschaftlich fundiert und gut aufbereitet. Die praxisbezogenen Inhalte lassen sich im Gespräch mit den Schwangeren und jungen Eltern sofort anwenden.

 

Warum ist dieser Unterricht sinnvoll und wichtig?

Beratung spielt in der Hebammenarbeit eine sehr große Rolle. In Fragen der Mundgesundheit kann durch wenig Aufwand nachhaltig viel erreicht werden. Karies ist noch immer ein Thema in unserer Gesellschaft und die Folgen für die Kinder sind enorm. Es ist deshalb unabdingbar, bei angehenden Hebammen das Bewusstsein für diesen Beratungsaspekt schon während der Ausbildung zu schaffen.

 

Die Schulung angehender Hebammen ist ein Aspekt der Kooperation. Ein weiterer ist die Fortbildung und Information bereits ausgebildeter Hebammen. Hier hat die LAGZ umfangreiches Material zusammengestellt. Wie werden diese von Ihren Mitgliedern angenommen?

Sehr gut! Das Informations- und Weiterbildungsmaterial ist klar, übersichtlich und praxisorientiert aufgebaut und lässt sich gut durcharbeiten. Alle Inhalte lassen sich problemlos in den Beratungsalltag der Hebamme einbinden und ohne Aufwand an die werdende Mutter weitergeben. Die parallel von der LAGZ Rheinland-Pfalz angebotenen Weiterbildungsangebote werden auch gut angenommen. Auch ich habe mich dazu angemeldet.

 

An welchen Stellen sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Noch immer sehe ich die Bewerbung der so genannten Kindernahrungsmittel als ein großes Problem. Hier müsste noch viel mehr Aufklärung stattfinden, dass diese nicht gesund sind, sondern – ganz im Gegenteil – Karies fördern. Auf diesen Aspekt sollte auch in der Aus- und Fortbildung noch stärker Bezug genommen werden.

 

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.




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